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Blattkritik 8 „die tageszeitung“ vom 22. Juni 2021

Unter den überregionalen deutschen Tageszeitungen ist die taz diejenige, mit der jüngsten Geschichte und der kleinsten Auflage. Gestartet Ende der 1970er Jahre als alternatives Projekt zum als bürgerlich empfundenen Zeitungsmarkt, hat sich das Blatt gleichwohl einen festen Platz in der publizistischen Landschaft in Deutschland gesichert.

Am 22. Juli 2021 erschien „die tageszeitung“ mit einem Umfang von 24 Seiten verteilt auf vier Bücher. Im ersten Buch finden sich die Rubriken Der Tag, Schwerpunkt, Nahaufnahme, Inland sowie Wirtschaft + Umwelt. Das zweite Buch startet erneut mit Wirtschaft + Umwelt, gefolgt von Ausland sowie Meinung + Diskussion. Danach folgt das eher magazinig aufgemachte Format taz zwei mit den Rubriken Medien, Kultur, Sport und der Satireseite Die Wahrheit. Das vierte Buch ist den Lokalteilen vorbehalten, in diesem Fall der Nordausgabe, also drei Seiten taz Nord und einer Seite taz Bremen. Als Aufmacherthema des Tages wählte die taz am 22. Juni das neue Wahlprogramm der CDU. Dies ist auch Thema des Kommentars auf dem unteren Teil der Titelseite. Eye-Catcher ist die Überschrift „Laschet verspricht Wachstum!“. Darunter ist ein kleinformatiges, freigestelltes Bild von Armin Laschet platziert.

Die 1978 gegründete taz ist seit 1992 im Besitz einer Genossenschaft Das Logo ist eine Tatze mit dem Schriftzug der Zeitung. Ohne Schriftzug darf das Logo nach einem Rechtsstreit mit dem Unternehmen Jack Wolfskin nicht mehr verwendet werden. Verlagssitz ist seit 2018 ein von der Genossenschaft finanziertes Gebäude in Berlin-Kreuzberg. Die taz erscheint im sogenannten Berliner Format (31,5 × 47 cm). Die letzte Überarbeitung des Layouts fand 2017 statt. Damit einher ging ein Ausbau des Onlineangebots taz.de. Der Einzelpreis der taz beträgt unter der Woche 2,20€, ein Standard Print-Abo gibt es für 56,90€. Darüber hinaus gibt es ermäßigte Abos und ein teureres Soli-Abo. Online gibt es die freiwillige Bezahl-Option taz.zahl ich. Im ersten Quartal 2021 lag die Druckauflage bei 40.360 Exemplaren.

Das Grundraster der taz besteht aus 6 Spalten, was jedoch verschiedene Abwandlungen erfahren kann. So sind etwa die Titelseite und das Format Nahaufnahme 4 spaltig angelegt. Alles in allem zeigt sich ein sehr freier Umgang mit der Textgestaltung: Überschriften werden mal fett, mal kursiv gesetzt, einzelne Zitate immer wieder herausgehoben platziert. Schmuckfarbe ist das Rot des taz-Logos. In der Ausgabe vom 22. Juni waren die wichtigsten Bildquellen die Agenturen Imago und dpa. Darüber hinaus gab es u.a. Bilder der Agentur Reuters sowie der Stockfoto-Agentur Plainpicture. Was die Bildgrößen angeht, so nutzt die taz fast die komplette Bandbreite aus, von einem fast ganzseitigen Portrait Joschka Fischers auf Seite 4 bis zu einem Briefmarkengroßen kleinen Kopfportrait des Autors Micha Brumlik auf Seite 24.

Der sehr kreative Umgang der taz mit Fotografie zeigt sich vor allem an der Titelseite. Das kleine freigestellte Bild Von Armin Laschet, der beim Gehen fotografiert wurde, ist zweifellos als Kommentar zur Überschrift „Laschet verspricht Wachstum!“ zu interpretieren. Kommentierende Titelseitengestaltungen sind ein Markenzeichen der linken Berliner Zeitung. Ein Tribut an den Fotojournalismus ist die Rubrik „Die Bildergeschichte“ auf Seite 2. Zwischen Montag und Freitag werden dort jede Woche Serien mit einem Bild pro Tag gezeigt. Die Serie der hier besprochenen Ausgabe ist eine historische Foto-Arbeit von Marga Kingler über das Ruhrgebiet im Jahr 1961. Ästhetisch interessant ist auch das fast über die komplette Breite der Seite gezogene Aufmacherbild zur Rubrik taz Nord im vierten Buch. Es bebildert einen Artikel über Polizeistrategien zu Partys von Jugendlichen in Hamburg und Bremen. Das etwas surreal anmutende und in dunkle Farben getauchte Bild zeigt den Hamburger Stadtpark bei Nacht, der nur von einem Flutlicht der Polizei erleuchtet wird.

Text: Dr. Felix Koltermann

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